Alles sauber -Neat and Clean

Alles sauber hört sich so einfach an, ist aber sicher nicht der Standard im Atelieralltag. Viele Dinge erwarten einen: Aktuelle Arbeiten, über die man erst noch ein wenig nachdenken möchte, Neues, das noch im Zustand des Entstehens ist, manches fast Fertige benötigt noch den letzten Handgriff und den letzten kritischen Blick, ganz zu schweigen von all dem, was inspirierend ist und darauf wartet, ausgesogen und verarbeitet zu werden auf dem Weg in die Kunst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine gute Methode, um sich selbst einen Kick zum Aufräumen zu geben ist es, eine Künstlerkollegin oder einen -kollegen einzuladen, seinen ode ihre Arbeit im Atelier zu präsentieren. Das genau ist es, was nun eingetreten ist und … voila: alles ist umgeräumt, weggepackt, oder auf geniale Art versteckt (hoffe ich jedenfalls).

Nun kann es los gehen und ich freue mich, wenn Anfang März Rike Stausberg aus Gummersbach mit ihren Arbeiten kommt, und wir im Atelier viele zufriedene Gäste begrüßen dürfen.

 

 

 

 

 

 

 

 Neat and clean is not the standard in the everyday studio situation. Lots of things wait for you: recent work to be pondered upon, new work just in the state of emerging, things nearly done wich have to get their last touch and approval, not to mention those which are simply inspiring and wait to be absorbed or transformed into some piece of artwork.

A good way to kick yourself into some action ist to invite a fellow artist to Show his or her work in your place. This was what has happended right now and …  voila everything is rearranged, stowed away or hidden by some clever means (hope so).

Now I am looking forward for March when Rike Stausberg from Gummersbach comes with her work and we hope to welcome a lot of happy visitors at the Studio.

Größe ist wichtig (2) – A whole lot of reality – Size does matter (2)

In den vergangenen Jahren habe ich mit Leinwänden und Holztafeln verschiedener Größen und Proportionen gearbeitet. Wenn ich die Ergebnisse miteinander vergleiche, dann stelle ich fest, dass der Einfluss dieser Entscheidung auf die Ergebnisse viel größer war, als ich ursprünglich angenommen habe. Was meine Bilder bezüglich der Rezeption beim Betrachter ausgelöst haben hing sehr stark von diesen Vorentscheidungen ab.

#298 Außenlager

Städtische Galerie Haus Seel, Siegen

Große Formate haben tendenziell die Eigenschaft, den Betrachter mit seiner Vorstellung in eine farbige Welt eintauchen zu lassen, deren Teil er dann gedanklich werden kann. Ein Blick in die Kunstgeschichte zeigt, dass dies ein grundlegendes Mittel war, um Illusionscharakter zu erzeugen.

#298 Außenlager

Städtische Galerie Haus Seel, Siegen

In einer gut besuchten Ausstellung im Jahr 2001 stellte ich ein Triptychon her, eine Art Werk, das üblicherweise aus drei Bildtafeln besteht, die in einer mehr oder weniger starken Beziehung zueinander stehen. Es füllte den Hauptraum der Galerie im Wesentlichen aus. Drei Leinwandrollen von 50 cm Breite hingen von der Decke und ließen untereinander einen Zwischenraum gleicher Breite. Sie zeigten in einem recht naturalistischen Darstellungsmodus eine Szene mit architektonischen und technischen Elementen, die einen derartigen Illusionsraum schufen.

Die Leinwandrollen waren nicht völlig abgewickelt,  so dass der Besucher im Unklaren blieb, „wieviel Landschaft“ noch auf der Leinwand vorhanden war, wenn er das weiter abrollen dürfte.

Größe und Platzierung der Arbeit ließen das Ganze mehr wie einer Installation oder zumindest wie eine Skulptur wirken, die rundum aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und sogar durchschritten werden konnte. Das Ganze zeigte also nicht nur noch eine weitere Arbeit eines Künstlers der mit recht traditionellen Mitteln ebenfalls Raumillusion schaffen konnte, sondern über ein Stück Malerei, das gleichzeitig ein Trio von Leinwandstreifen war, die sich als Ebenen schwungvoll durch den Galerieraum bewegten und Besucher, die sich für Ihren Sehvorgang durch den Raum bewegen mussten, um möglichst viel Informationen über das Werk aufzunehmen.

#297 Entfaltete Landschaft V., 9 m, 28 tlg. (WP1000)

Kunstverein Nümbrecht

Sehr kleine Bildelemente hatte ich dagegen einige Zeit später verwendet: Bei den „Entfalteten Landschaften“ handelte es sich um eine Serie von Arbeiten, bei denen ich bis zu 28 Teile an den Wänden arrangiert hatte, manchmal um Ecken herum oder durch Nischen im Galerieraum geführt. Sie zeigten ihre Landschaften auf Streifen von vielleicht Daumenbreite. So konnten sie auf den Betrachter wie Sehschlitze oder Schießscharten in einem Gemäuer wirken, das nur einen sehr begrenzten Blick auf die Landschaft dahinter frei gibt.
Man musste schon recht nah an die Ausschnitte heran gehen, um einen guten Blick auf das Motiv zu haben, aber um die Vorstellung einer Landschaft zu erlangen oder in der Vorstellung zu überprüfen, musste man sich von den Tafeln entfernen. Dabei jedoch verlor sich wieder der Blick für das Detail und so lösten diese Arbeiten ständige Bewegungen der Betrachter im Raum aus, die zwischen Nahsicht und Gesamtsicht pendelten.
Diese Arbeiten zeigten sehr gute Beispiele dafür, wie wir Menschen durch sequentielle Wahrnehmung unsere Vorstellung von einer wahren und ganzheitlichen Wirklichkeit bilden.

#297-Entfaltete-Landschaft-V.-28-tlg

Atelierausstellung, Neunkirchen

Over the years I have worked with panels and canvases of various dimensions and proportions. Comparing the results I find that these choices have had a much greater impact on the results than I had expected. What my works did with the perception of the visitors depended a lot on these decisions.

Large sizes tend to invite the visitor to immerse into a colourful world he can imagine himself to be a part of. Looking into art history we find a basic ingredient of producing illusions.

In a widely acknowledged show in 2001 I did a triptych, a painting consisting of three panels working together in a more or less close relationship, which filled the main space of the communal gallery at Siegen, Germany. Three canvas roles of approximately 50 cm (1 ft. 8 inches) width hung from the ceiling leaving a space of the same width between the three of them. They showed in a rather naturalist mode the scene of some architectural and technical items creating such an illusionary sort of space.

The canvas roles were lying on the floor, not wholly unrolled, so the visitor was kept in uncertainty how much “landscape” was yet to be unrolled if he was allowed to have a look.

The size and placement of the canvas made this more like an installation or at the least more like a sculpture which could be seen from all angels and even passed through between the canvas stretches. So the whole thing was not only about another artist able to create illusion with rather traditional means but about a painting you could perceive as a piece of canvas, of large sheets moving along the gallery space and the visitor moving around just to be able the gather as much information as he could about this piece of art.

#297-Entfaltete-Landsch.-V.

Atelierausstellung, Neunkirchen

Very small spaces were used as elements some time later. “Unfolded Landscapes” was the title of a series of works where I arranged sequences of up to 28 little paintings on walls, sometimes around corners and along niches in the gallery space. They showed their landscapes on panels only as wide as a thumb. So they could remind you of small slot in the wall leaving open only a very limited view on the landscape opening in the background.
One had to come rather close to the paintings to get a good view but to get an idea of the landscape people tended to move back to get some sort of overall view. But this did not really work out the lost detail with getting distance. In the end there was a constant movement getting close to the single paintings and getting into the distance to put the pieces together in the mind of the visitors.
This group of works presented rather good demonstrations of how our mind puts together elements of sequential perception to the idea of a truthful and complete reality.

Größe ist wichtig (I.) – Size does matter (I.)

Beim Arbeiten merke ich immer wieder, wie unterschiedlich ich auf die Formate reagiere. Wenn ich eine Zeit lang mit größeren Formaten gearbeitet habe, finde ich es immer wieder schön, als Kontrast dazu zum kleinen Format zu greifen. Es hat etwas Leichtes, Zurückhaltendes, wie ein Sammlerstück, dass man gerne und liebevoll aus der Nähe betrachtet und sich auf seine Entdeckung einlässt. Feine Strukturen und Abstufungen bieten dem Blick ein differenziertes und zartes Seherlebnis, das im Kontrast steht zu der Energie, die in einem großen Bild gespeichert sein kann.#573 Lager, mit Zahnrad (web)

Dann wieder habe ich das Gefühl, dass die kleine Fläche die Pinselbewegung auf der Fläche und die Motorik des Malens zu sehr bremst. Ich ertappe mich dabei, dass die Formen und Bewegungen verkrampft und gestellt wirken, dass kein wirklicher Fluss der Elemente aufkommt. Da hilft dann doch wieder die große Leinwand oder mindestens der große Karton, um wieder lockerer zu arbeiten und die Freiheit zu genießen.

Acryl, Papier / Acrylic, paper

Acryl, Papier / Acrylic, paper

In my work I realize ever again how differently I react to size and proportion of my panels and canvases. After having worked in larger dimensions I enjoy the change to a smaller size. It is so much lighter, unobtrusive, like a collectible you care for and enjoy tenderly. Looking closely you discover its fine and exquisite structures and tones offering the eye a detailed and tender  experience. You discover a counterpoint to the energy loaded squares  of works in larger sizes.

But it will not take long that my eyes and hands tell me, the lines and movements tend to lack energy or elegance and indicate that a more unrestricted and generous movement of the body might promise a different sort of quality in the work. I am always glad to see when this turns out to be the right decision. At least for some time, before the swing takes the other direction again. So here is yet another sort of dialogue in the works proving the mankind is made for change and exploration and not for finding boring perfection.

left: 120 x 168 cm, right 50 x 80 cm, acrylic on canvas

But after a while I get the feeling that the short stretch from one border of the painting to the opposite side slows down the movement of brush and paint.  I catch myself getting out of rhythm and instead of a free and intuitive flow the forms and movements become planned and look artificial. Here size of the large canvas “kicks in” and invites to a journey of freedom into undiscovered spaces.

 

 

 

 

 

Wechsel – Changes

Wechsel

Die Ausstellung beim BBK Westfalen in der big Gallery Dortmund “u.A.w.g.” ist abgebaut. Die hohe Besucherzahl war erfreulich und wer davon und von der Vorgängerausstellung 210 x 30 noch etwas sehen möchte, kann unter diesem Link hier und auch hier jeweils einen Videobeitrag abrufen.

Beide Ausstellungen waren von gut gestalteten Katalogen begleitet und Brigitte Bailer, Barbara Abendroth und Karl-Ulrich Peisker haben mit ihren Helfern eine tolle Arbeit geleistet! Ihnen allen einen herzlichen Dank!

Im Atelier ist es im Moment mal wieder ziemlich aufgeräumt. Mal schauen, wie lange das hält. Die iPad-Arbeiten vom letzten Herbst sind wieder ordentlich weg gepackt, bis auf eine große, die noch auf die nächste Ausstellung wartet.iPads-in-Blister

Eine größere Einzel-Ausstellung ist für den Herbst in Vorbereitung. Die etwas ungewöhnlichen Wände machen formale Vorgaben für die Größe und Gliederung der Arbeiten. Auch ansonsten soll die Ausstellung ein klares Gesamtkonzept haben, dass auf die Architektur des Gebäudes eingeht. Der Plan ist da, und ich freue mich, wenn die Wirkung wie geplant eintritt. Auch eine Reihe von Arbeiten ist schon fertig und die Spannung steigt. Aber es bleibt ja noch etwas Zeit bis dahin.Tanzende-Farben-Gessos

 

Changes

The exhibition at the big Gallery in Dortmund is over now. A great number of visitors has seen the works and it has been worth showing the exhibits. If you like you can get an impression of the show at https://youtu.be/6UcoOH3dyXI

as well as of the show “210 x 30” which took place in Dortmund before at

 

Both exhibitions have been accompanied by well edited catalogues and Brigitte Bailer, Barbara Abendroth and Karl-Ulrich Peisker and their collegues have done a marvellous job. Thanks to all of them.

At the studio most things have found their places again. The iPad works are stored away after their show last autumn. One larger print is prepared for a further job this springtime.

For autumn a single show is in preparation. Walls are a bit unusual in size and form so I have to take this into account for my plans. Anyway the show has to have a clear overall concept reaction to the architecture of this extraordinary building. The idea is ready and I am looking forward to seeing it happen. Quite a number of works is already finished and tension is rising. But there is still some time left yet.

Ai Weiwei – Destruction Construction (II.)

2015 London Oktober Earthquake relics 22015 London Oktober Earthquake relics 1Im Jahr 2008 traf das tödlichste Erdbeben seit 1976 die Gebiete von Mianyang, Ngawa, Deyang, Guangyuan und Chengdu in China. Die meisten Gebäude, die zerstört wurden, standen in den ländlichen Regionen. Über 4,8 Millionen Menschen waren obdachlos. Alle Fernstraßen nach Wenchuan, dem Epizentrum, des Bebens, waren zerstört, so dass Hilfstruppen nur mit Verspätung eintreffen konnten (zitiert nach Wikipedia, dort mehr Details zum Thema).
Der Chinesische Künstel Ai Weiwei hat diese Gebiete trotz der Versuch der Behörden, dies zu verhindern besucht. Gemeinsam mit einer Gruppe von Helfer dokumentierten sie die Zerstörungen und vor allem die schlechte Bauqualität, verursacht durch Korruption und mangelhafte Umsetzung durch unqualifizierte Bauhandwerker.
Stahlbetonelemente hatten den Kräften nicht standhalten können, weil der Beton zu schlecht war, die Stahlarmierungen fehlten oder sie nicht hinreichend gebogen worden waren, so dass die auftretenden Kräfte sie einfach aus dem Material herausgezogen haben.
Der Künstler dokumentierte seine Ergebnisse. Baustahl wurde gesammelt, wieder gestreckt und in Form einer Großplastik auf dem Boden eines der Hauptsäle in der Londoner Ausstellung de Royal Academy of the Arts 2015 arrangiert. Die Gestaltung gibt dem Ausmaß der Zerstörung eine ungeahnte Sichtbarkeit: an der Wand finden wir die Namen der Opfer. Sie möchten als Menschen erinnert werden. Außerdem weist die Anordnung eine Struktur auf, die an die Reibungen und Verschiebungen von Kontinentalplatten erinnert.
Material aus Situationen der Zerstörung zu retten und wieder zum Sprechen zu bringen ist eine Methode, die der Künstler in verschiedenster Weise benutzt. Die traditionelle Handwerkskunst und China verschwindet mehr und mehr, nicht erst seit den ökonomischen Aufstieg der letzten Jahrzehnte und den auftretenden kapitalistischen Elementen in Politik und Gesellschaft. Schon die Kulturrevolution der frühen Jahre zerstörte bewusst viele Spuren der Vergangenheit.
Ai Weiwei hat Handwerker gefunden, die alte Technike beherrschen und hat ihnen Arbeit gegeben. So verbinden einige seiner Werke traditionelle Handwerkskunst (z.B. aus Resten buddhistische Tempel) mit Bezügen zu den Zerstörungen heutiger Tage durch die Politik. Nebenbei: Die Holzskulptur zeigt den Verlauf der chinesischen Grenze, ausgerollt auf dem Boden eines große Ausstellungsraums, eine Referenz an die eigene Nation, ihre Geschichte und Traditionen.

 

2015-London-Oktober-Earthquake-relics-3In 2008 the deadliest earthquake in China since the 1976 hit the areas of Mianyang, Ngawa, Deyang, Guangyuan and Chengdu. Most of the buildings that collapsed were in rural areas and did not adhere to building codes. At least 4.8 million people were rendered homeless. All highways into Wenchuan, the epicentre, were damaged by the quake, delaying the arrival of relief troops. (quotation from wikipedia, see a more detailed list there).
Chinese artist Ai Weiwei visited these areas though authorities tried to keep him from doing so. Together with a group of helpers he documented destructions and especially low quality of buildings due to corruption and mismanagement by lowly qualified builders.
Concrete elements that had meant to be reinforced by steel had not withstood powers because of the low quality of the concrete, the missing steel element because of corruption or mismanagement, or even by the fact that they had not been bent properly and the forces of destruction had simply pulled the off from their surroundings.
The artist documented his findings. Steel reinforcements were collected, straightened out and rearranged to form a large scale sculpture now covering one of the main rooms of the exhibition in the Royal Academy of London. The arrangement gives the amount of destruction an unexpected visibility: on the wall the names of the victims are listed and ask to be remembered in person. Furthermore the structure laid out on the floor shows sculptural lines evoking the frictions and shifts of continental shelves.
Recovering material from destruction and making it speak out is a method the artist uses in various ways. Traditional Chinese arts and crafts seem to disappear more and more, not only since the rise of economy in the last decades and capitalist elements in Chinese politics and society but the cultural revolution of the early years destroyed lots of traces of the past.2015 London Oktober woodwork 2
Ai Weiwei foundd craftsmen who knew about the old ways of woodwork and gave work to them. So some works integrate elements of traditional craftsmanship (for example in relics of old Buddhist temples) with relating to destruction caused by today’s politics. The wooden sculpture by the way depicts the outline of the Chinese border unfolded on the floor of a large exhibition room, honouring his own nation, its history and traditions.

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