nur Leinwand – plain canvas

 

Ist die leere Leinwand Malerei?

#857, Acryl, Leinwand, Detail 2

#857, Acryl, Leinwand, Detail 2

Als ich kürzlich ein neues Bild begann fing es damit an, dass ich das Licht auf der Straße vor unserem Haus beobachtete. Es war ein recht milder Wintermorgen nach einer verregneten Nacht. Aber nun war stellenweise blauer Himmel zu sehen mit leichten Wolken in zarten Tönen, einige mehr gelblich, andere mehr bläulich.

Aus der der Vielzahl der Farben auch in der übrigen Landschaft entstand schnell eine erste Skizze. Bei der Entscheidung, welche Aspekte in einer größeren Arbeit übernommen werden sollten, die Leinwand maß etwa 90 x 160 cm, zögerte ich. Ich war mir bewusst, dass es nicht um eine einfache Wiedergabe des Gesehenen ging, sondern dass ich mich auf das konzentrieren wollte, was mein eigentliches Interesse ausgelöst hatte. So verteilte ich als eine erste Auswahl einige malerische Elemente auf der Leinwand.

In letzter Zeit hatte ich oft eine collageartige Vorgehensweise gewählt, indem ich Elemente an „unlogischen“ Bildstellen platzierte, damit ich mich nicht doch zu sehr an eine naturalistische Umsetzung halten würde.

Da waren sie nun: Meine in der Fläche verstreuten Bildelemente, die das umsetzten, was mir wichtig war, und die dazwischen die blanke Leinwand ließen.

Nun, war ich fertig? Konnte ich das so lassen? Oder musste das in klassischer Weise „fertiggestellt“ werden? Üblicherweise sagte man immer: Wenn Du die Farbe Weiß meinst, dann male Weiß, wenn Du nichts entschieden hast, bist Du offensichtlich noch nicht fertig.

Klingt doch vernünftig, oder?

 

 Is plain canvas a painting?

#857, Acryl, Leinwand, Detail 2

#857, Acryl, Leinwand, Detail 2

When developing a painting recently I started from watching the light on the street in front of our house. A rather mild winter morning after a rainy night had brought patches of blue sky with light clouds in soft tones of light grey, some parts more yellowish some in a blueish grey.

Together with the variety of colours in the landscape a first sketch was quickly finished. When deciding which aspects should become elements to place when a larger work was to be done on canvas, the size appr. 3’x5’, I hesitated. I knew I did not want to reproduce what I had seen but wanted to concentrate on those aspects that had been at the core of my interest. So as a first choice I spread some painterly elements on the canvas.

I have used a sort if collage strategy lately placing elements at “unreasonable” points on the painting ground to keep me free from sticking too much to the laws of nature.

So there they were: Scattered elements, transporting what I found worthy and leaving the gaps in between, blank as the whitened canvas had been.

Was I finished with my work? Could I leave it that way? Or was I to „finish“ it in the traditional way, where people are told :If it is white you have decided for a colour, so paint it white. If you are undecided about this part of the painting you are not finished obviously.

Sounds reaonable, doesn’t it?

#857 Wintermorgen, A3 w

#857, Acryl, Leinwand, Detail 3

Heldenorte – Places for Heroes

Ein Exemplar aus meiner Serie der Heldenorte“ wird demnächst auf einer Ausstellung des BBK, des Berufsverbandes Bildender Künstler in Westfalen, gezeigt (24.1. bis 20.3.2016). Die Jury hat aus Platzgründen nur eine Arbeit aus der Serie ausgewählt, die eigentlich 18 Arbeiten auf Papier in einfachen weißen Glasrahmen umfasst.

Das Bild zeigt das Pult mit einem Mikrofon davor, eine Situation, wie sie in einer Pressekonferenz zu sehen sein könnte. Die Szene ist leer, Neuigkeiten können nicht erwartet werden, weder im buchstäblichen noch im übertragenen Sinne.

 

#601 Heldenorte IV., Pressetermin (web), 2015

 

Die Arbeit passt gut in das Konzept der geplanten Ausstellung, deren Titel u.A.w.g. eine Formulierung verwendet, wie sie am Fuß einer formellen Einladung stehen könnte: “um Antwort wird gebeten”. Der Absender bittet den Adressaten um eine Antwort auf seine Anfrage, nämlich ob dieser an der Veranstaltung teilnehmen wird, für die eingeladen wurde.

Ursprünglich wurde diese Gruppe von Arbeiten für eine Installation in der Städtischen Galerie Haus Seel in Siegen entwickelt. Auf abstrahierende und skizzenhafte Weise beschrieben die Bilder Personen und Szenen, die man mit aktuellen politischen Fragen und möglichen Antworten verbinden würde, sowohl in einem historischen wie auch in aktuellen Bezügen. Neben der Situation der Pressekonferenz fanden sich Personen mit Flugabwehrgeschützen wieder, Panzerfahrer, die in ihrer Gestalt an die Sphinx erinnerten, Ölfelder, Kathedralen, einsame Straßen mit Resten von Munition, ikonische Motive, wie das legendäre Foto von Iwo Jima oder die Darstellung der Freiheit von Delacroix, die das Volk anführt. Wo sind unsere Helden und Vorbilder? Wo finden wir sie?

Der Besucher war eingeladen, die Bilder nach seinen Wünschen auszuwählen und umzuhängen, auf einem Plakat mit Reproduktionen der ausgestellten Arbeiten konnte er seine Stimme abgeben.

Letztlich bot die Auswahl keine überzeugende Lösung, wie dies auch im wirklichen Leben der Fall ist. Es gibt nicht die Person oder Einrichtung, an die wir alle Probleme delegieren können und gewiss sein dürfen, dass sie gelöst werden. Der Einzelne muss sich diesen Fragen stellen so gut wie der oder sie es kann.

#598 Heldenorte Seel a korr web

A part of my „Places for Heroes“ will be on show in a new exhibition of the BBK Westfalen, the association of professional artists in Westfalia, in Dortmund in a few days. The jury chose due to available space only one piece out of a series of 18 artworks on paper framed in a plain white glass frame.

This piece shows the speaker’s desk with a microphone in front at a place which could be a press conference. The scene is empty, no news can be expected be it literally or metaphorically.

The work neatly fits into the concept of the exhibition, the title being u.A.w.g., a phase to be found at the bottom of formal invitations where the sender asks the addressed person to reply whether he or she will attend the meeting that has been invited to.

Originally the series formed an installation at the municipal gallery Haus Seel in Siegen, where visitors were invited to take part in a vote. The paintings described in a rather abstract and sketchy manner people and situations one might link with today’s  political questions and possible answers, in a historical perspective or seen today. The situation of the press conference was accompanied by f.e. people at anti-aircraft guns, tank drivers reminding of a sphinx, oil fields, churches, lonely streets with remains of ammunition, iconic pictures like the legendary photo of Iwo Jima or Delacroix’s Liberty leading the people. Where are our heroes and role models? Where do we find them?

The visitor could choose pictures for hanging, such producing an effect similar to a wall covered with campaigning prints. He was invited to rearrange the hanging and give his vote on a poster with reproductions of the works on show.

But finally the choice offered did not lead to a convincing solution as it seems to be the case in real life, too. There is no real person or group we can delegate our problems to and be sure they get solved. The individual has to take up responsibility as best as he or she can.